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Echt starkes Immunsystem

Wie regelmäßige Belastung unsere Abwehrkräfte stärken kann und warum wir unseren Körper nicht als Maschine begreifen sollten. Ein Gespräch mit "Performance Doc" Gerrit Keferstein und seinen Kollegen vom MOJO Institut für Regenerationsmedizin.

Gerrit Keferstein - Arzt, Gründer und Medizinischer Direktor des MOJO Instituts
David Höhfeld - Sportwissenschaftler und Leiter von MOJO MOTION (der Bewegungsabteilung des Instituts)
David Köhler - Leitender Physiotherapeut und Osteopath
Daniel Scheck - Physiotherapeut
Paulina von Wieding - Therapeutin für regenerative Ernährung
Joshua Sauren - Forschungsleiter der MOJO Kryotherapie

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ARTZT: Gerrit, du bist Gründer des MOJO Instituts. Wie kamst Du auf die Idee, das MOJO Institut zu gründen?

Gerrit Keferstein: Mich hat schon immer das fließende Spektrum zwischen Krankheit und voller emotionaler, mentaler und physischer Leistungsfähigkeit fasziniert. Ich bin seit über zehn Jahren als Coach im Profisport aktiv und habe immer nach den innovativsten Methoden geforscht, die Leistungsfähigkeit zu optimieren. Deshalb habe ich auch parallel zu meiner Coachingtätigkeit Medizin studiert.

Dabei habe ich festgestellt, dass wir in der Medizin sehr gut darin sind, akute mechanische Probleme zu lösen. Die Akutbehandlung von Verletzungen, Knochenbrüchen, Unfällen, Infektionen, Herzinfarkten und Schlaganfällen ist unglaublich präzise, professionell und einfach gut.

Wir sind in der Medizin allerdings sehr schlecht darin chronische, organische Probleme zu lösen. Das zeigt sich zum einen darin, dass wir heute mehr Krebs, Kreislauferkrankungen, neurodegenerative Erkrankungen, Darmerkrankungen und Stoffwechselerkrankungen haben als je zuvor in der Menschheitsgeschichte. Rein genetische Gründe hat das nicht. Unsere Brüder und Schwestern in Naturvölkern werden genauso alt wie wir, jedoch haben sie alle diese Erkrankungen so gut wie gar nicht.

Zum anderen zeigt sich das aber auch darin, dass wir in der Medizin gar nicht wirklich hilfreich für Spitzensportler sind, wenn wir nur die groben Leitlinien nutzen, die auf die Verhinderung und Behandlung akuter, mechanischer Probleme ausgerichtet sind. Um einem Spitzensportler zu helfen, müssen wir viel feiner, organischer und biologischer auf den Athleten schauen, als wir es klassischerweise in der medizinischen Lehre vermittelt bekommen.

Um chronische Erkrankungen verhindern und behandeln zu können und um Spitzensportlern bei der Optimierung weiterhelfen zu können, braucht die Medizin ein ergänzendes organisches Paradigma zu dem rein mechanischen Paradigma. Und das ist die Regenerationsmedizin. Um dieser Regenerationsmedizin einen Platz und eine Plattform zu geben, habe ich Anfang 2020 das MOJO Institut für Regenerationsmedizin in Hennef gegründet. Damit sind wir eine in Deutschland einmalige Anlaufstelle für Menschen, die eine Ursachentherapie für chronische Erkrankungen wünschen und Sportler, die auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse rehabilitieren oder optimieren möchten. Zusätzlich habe ich mit einigen Kollegen in 2019 die „International Association of Performance Medicine (IAPM)“ gegründet.

ARTZT: Was unterscheidet die Regenerationsmedizin von der klassischen Medizin?

Gerrit Keferstein: Genauso wie die Akutmedizin ist auch die Regenerationsmedizin ein Teil der evidenzbasierten Medizin. In der Regenerationsmedizin werden nur wissenschaftlich fundierte Methoden eingesetzt. Der große Unterschied zur weit verbreiteten Akutmedizin ist jedoch, dass man auf den menschlichen Körper eher mit der Brille eines Biologen schaut als mit der Brille eines Mechanikers. Wenn wir eine Zimmerpflanze haben, deren Blätter welk werden, dann würden wir einen Teufel tun, die Blätter grün anzustreichen. Wir würden uns über die Funktion und Bedürfnisse der Pflanze Gedanken machen und ihr Umfeld entsprechend modifizieren. Wir würden sicherstellen, dass sie ausreichend Nährstoffe und Licht hat. Und dann würden wir mit der Geduld eines Biologen beobachten, wie es der Pflanze Tag für Tag ein kleines bisschen besser geht. Die Realität ist nämlich, dass wir Menschen sehr viel baugleicher mit organischen Pflanzen sind als mit mechanischen Autos.

Das Team des MOJO Instituts

Das Team des MOJO Instituts.

ARTZT: Menschen sind baugleich mit Pflanzen?

Gerrit Keferstein: Ja. Organische Systeme und mechanische Systeme sind fundamental unterschiedlich in der Art und Weise wie sie mit Stress umgehen. Ein mechanisches System wie ein Auto oder eine Maschine wird durch Stress immer schlechter. Jede Belastung führt zu einer Degeneration.

Organische Systeme wie Pflanzen und Menschen werden jedoch durch Stress besser. Mach mal jeden Montag acht 200-Meter-Sprints mit deinem Auto. Es wird nicht mehr PS bekommen. Mach es mit deinem Körper und er wird mehr PS bekommen. Organische Systeme wie Pflanzen und Menschen können durch Stress besser werden, weil sie eine Fähigkeit haben, die kein mechanisches System der Welt hat. Sie können sich anpassen.

ARTZT: Anpassungsfähigkeit ist also das definierende Merkmal organischer Systeme?

Gerrit Keferstein: Ja genau. Je größer die Anpassungsfähigkeit eines Systems ist, desto mehr Belastung, sprich Stress kann dieses System in positive Anpassung umwandeln. Einfach ausgedrückt: Wenn deine Anpassungsfähigkeit gut ist, dann macht Stress dich besser. Wenn deine Anpassungsfähigkeit schlecht ist, dann macht Stress dich schlechter.

Die Diagnostik, das Management und die Optimierung von Anpassungsfähigkeit sind die zentralen Themen der Regenerationsmedizin und absolut entscheidend für die Prävention und Behandlung chronischer Erkrankungen sowie der Optimierung von Leistungsfähigkeit.

Anpassungsfähigkeit hat einige biologische Fundamente. Dazu gehört unter anderem das Immunsystem als zentrales Anpassungsorgan und die Mitochondrien als wichtigste Energielieferanten. Das Immunsystem und die Mitochondrien haben – im Gegensatz zu anderen Organen – keinen eigenen festen Ort im Körper, sondern sind überall vorhanden. Deshalb ist auch ein ganzheitlicher, systemischer Ansatz notwendig, um die Anpassungsfähigkeit zu verbessern.

ARTZT: Im MOJO Institut für Regenerationsmedizin verfolgt ihr diesen ganzheitlichen Ansatz über die Kombination von Medizin, Physiotherapie, Ernährungswissenschaft und Neurowissenschaft unter einem Dach. Welchen Einfluss haben diese Bereiche auf unser Immunsystem und unsere Mitochondrien?

Gerrit Keferstein: Für uns sind alle diese Bereich gleichwertig und liefern einen entscheidenden Beitrag. Ich fokussiere mich als medizinischer Direktor im MOJO Institut auf die ausführliche Diagnostik des Immunsystems, der mitochondrialen Funktion und die relevanten Mikronährstoffe.

Optimale Immunfunktion und Mitochondrienfunktion sind wichtige Teile der Anpassungsfähigkeit. Um die Anpassungsfähigkeit zu verbessern, benötigen wir zwei Dinge: Stress und Ressourcen.

 

“Organische Systeme wie Pflanzen und Menschen können durch Stress besser werden, weil sie eine Fähigkeit haben, die kein mechanisches System der Welt hat: Sie können sich anpassen.”

 

ARTZT: Stress ist also notwendig?

David Höhfeld: Ja exakt. Stress im Sinne von Belastung ist absolut lebensnotwendig für ein organisches System. Organische Systeme werden durch Stress besser und durch die Abwesenheit von Stress schlechter. „Use it or lose it“ sagt man im Englischen dazu. Besonders das Immunsystem und die Mitochondrien sind absolut darauf angewiesen, dass wir sie herausfordern.

Gehen oder Laufen wir zum Beispiel barfuß über Wiesen oder durch den Wald hat das gleich mehrere sehr positive Effekte. Der unmittelbare Hautkontakt mit dem Boden führt dazu, dass sich der Körper entlädt, das nennt man „Grounding“ – der Körper wird geerdet. Dadurch werden freie Radikale, die so genannten Oxidantien, die sich in den Zellen bei chronischem Stress anhäufen, neutralisiert und die Zellen können besser regenerieren. Durch kleine Kratzer in der Haut wird das Immunsystem immer wieder herausgefordert, auf diese Mikroschäden zu reagieren und lernt, sich schneller und effizienter anzupassen. Es wird besser.

Sitzen, Gehen und Laufen im Wald, die Japaner nennen es „Shinriyoku“ , was im Deutschen so viel heißt wie Waldbäder, reduziert nachweislich chronisch aktive Stresshormone und erhöht die Anzahl der natürlichen Killerzellen, einem der wichtigsten Zellbestandteile unseres Immunsystems. Der Hauptgrund dafür sind die aromatischen Öldämpfe, die durch die Bäume produziert werden. Am besten kombiniert man die Waldbäder ab und an mit hochintensiven akuten Belastungen, zum Beispiel mit zehn Bergsprints á 30 Sekunden. Hochintensives Intervall Training (HIIT) steigert die Leistungsfähigkeit der Mitochondrien, unter anderem durch die erhöhte Ausschüttung von AMPK (aktivierte Proteinkinase), welches die Mitochondrien vor Energiemangel schützt und durch die Reduktion einer chronisch erhöhten TNF-alpha-Konzentration, welcher ein multifunktionaler Signalstoff in Entzündungsprozessen ist. Die mitochondriale Funktion ist essentiell für eine gute Immunfunktion.

Daniel Scheck: Mit Krafttraining ist das ähnlich. Intervalltraining und Krafttraining sind akute Stressreize für das Immunsystem. Das ist deshalb spannend, weil das Immunsystem auch in den Muskeln lebt. Die Muskeln schütten nämlich bei intensiver Belastung so genannte Myokine aus. Diese Myokine sind Teil des Immunsystems und wirken immunmodulatorisch, sie reduzieren chronische Entzündungsprozesse und stärken die Immunabwehr. Für die Immunabwehr nimmt das Myokin Interleukin-6 (IL-6) eine Schlüsselposition ein. Bei Menschen, die extrem unextrem leben, also körperlich inaktiv sind, zeigen sich chronisch hohe IL- 6 Werte. Kurzfristige, akute Stressreize mit kurzfristigen IL-6 Spitzenwerten führen zu einer positiven Anpassung, während langfristig erhöhte IL-6 Werte durch Inaktivität mit entzündlichen Erkrankungen einhergehen.

Wenn man also das Immunsystem stärken möchte, sollte man Ausdauerbelastungen wie z.B. Laufen, Schwimmen oder Radfahren oder Ganzkörperkrafttrainingsübungen wie Kreuzheben und Kniebeugen in seinen Trainingsplan einbauen.

ARTZT: Kann man auch zuviel Stress haben?

Gerrit Keferstein: Ja. Wenn der Stress die Anpassungsfähigkeit übersteigt, dann wird man schlechter. Der Weg da raus führt allerdings nicht einfach über die Stressreduktion. Das funktioniert nicht, denn dann wird die Anpassungsfähigkeit über die Monate und Jahre immer kleiner und kleiner und man wird immer weniger und weniger stresstolerant. Man muss chronischen Stress reduzieren und akuten Stress erhöhen.

ARTZT: Den akuten Stress muss man erhöhen?

Gerrit Keferstein: Ja definitiv! Das ist das Prinzip der Hormese. Hormese ist die Fähigkeit, durch Stress besser zu werden, und die ist jedem organischen System eigen. Das Prinzip der Hormese wird in der medizinischen Lehre aktuell größtenteils jedoch ignoriert. Daher werden wir auch immer stressintoleranter.

Ein wichtiger Grund warum Menschen an Leistungsfähigkeit verlieren und kränker werden, ist ihre unextreme Lebensweise. Wir leben extrem unextrem. Und das macht uns krank und schwach.

Joshua Sauren: Ein gutes Beispiel für diese positiven Effekte von akutem extremen Stress ist die Kryotherapie.

Kälte wird häufig als Störenfried wahrgenommen. In Wahrheit ist die Kälte aber einer der wichtigsten evolutionären Wachstumsreize für unser Immunsystem. Genauso wie Laufen als Belastung angesehen wird, ist auch die Kälte eine Belastung, die genau so trainiert werden kann, wie das Laufen. Die Kryotherapie stärkt das Immunsystem, regt den Fettstoffwechsel an und hemmt Entzündungen, was letztlich Schmerzen lindert. Besonders erwähnenswert ist der Effekt von Kälte auf das braune Fettgewebe. Das braune Fettgewebe ist das neueste entdeckte Organ im erwachsenen Menschen. Im Gegensatz zu dem normalen weißen Fettgewebe kann braunes Fettgewebe Fett zu Wärme verbrennen. Die Mitochondrien in den Fettzellen haben die Fähigkeit, durch Verbrennung Wärme zu erzeugen. Je mehr Mitochondrien, desto brauner sind die Zellen gefärbt. Wenn wir regelmäßig Kälte ausgesetzt sind, dann werden weiße Fettzellen zu braunen Fettzellen. Dadurch wird Fettverbrennung und damit Energieausbeute maximiert. Dies ist ein besonders bemerkenswerter Vorgang, denn er führt den Nachweis, wie effektiv eine regelmäßige Kryotherapie ist.

ARTZT: Entsteht durch Kälte nicht Erkältung?

Joshua Sauren: Nein, das ist ein Irrglaube. Die Wahrheit ist, dass zu wenig regelmäßige Kälte einer Erkältung eher förderlich ist. Erkältungen werden durch Viren ausgelöst. Im Winter sind sie häufiger, weil wir öfter drinnen sind, Heizungsluft die Viren zirkulieren lässt und es weniger UV-B- und UV-C-Strahlung der Sonne gibt, die die Viren inaktivieren könnte.

Hinzu kommt, dass unser Immunsystem aufgrund niedrigerer Vitamin D-Level im Winter an Kompetenz verliert. Wenn wir unseren Körper über das ganze Jahr allerdings immer wieder mit Kälte konfrontieren, dann gewöhnt er sich daran, das Immunsystem wird kompetenter und unser Risiko, im Winter eine Erkältung zu bekommen, sinkt.

Unser Immunsystem wird kompetenter, weil Kälte ein so genanntes Vitagen ist. Genauso wie Vitamine lebensnotwendig sind, sind Vitagene lebensnotwendig für unsere Gene.

Kälte ist ein wichtiges Vitagen, welches unsere Genetik anpassungsfähig hält. Sein Leben lang wohltemperiert bei 22° Celsius zu leben, nimmt unserem Immunsystem und unserer Epigenetik die Anpassungsfähigkeit. Man sollte also die Kälte als Wachstumspotential betrachten.

ARTZT: Ihr habt gesagt, dass man für die verbesserte Anpassungsfähigkeit nicht nur den Stress, sondern auch die richtigen Ressourcen braucht. Was meint ihr damit?

Gerrit Keferstein: Unsere Anpassungsfähigkeit verbessern wir, indem wir unserem Körper die richtigen Ressourcen zur Verfügung stellen. Wir erinnern uns an das Beispiel mit der Pflanze mit den welken Blättern? Wir streichen sie nicht grün, sondern wir geben der Pflanze die Nährstoffe die sie braucht.

Wann hast du das letzte Mal überprüft, ob deinem Körper wirklich alle relevanten Nährstoffe zur Verfügung stehen? Die Realität ist nämlich, dass über 80 Prozent aller Menschen einen Nährstoffmangel haben – nicht nur in den Entwicklungsländern. Das hat fatale Auswirkungen: Müdigkeit, Leistungseinbussen bis hin zu schweren Erkrankungen. Die Gründe dafür sind simpel. Zum einen hat die Nährstoffdichte in Gemüse aufgrund von Monokulturen, Düngung usw. um bis zu 60 Prozent abgenommen. Zum anderen ist unser Nährstoffverbrauch höher als vor 30 Jahren, denn Nährstoffe wie zum Beispiel Zink werden benötigt, um Umweltgifte auszuleiten. Seit 1976 sind 80.000 neue synthetische, industrielle Substanzen zugelassen worden. Davon 60.000 ohne vorherige Sicherheitstestungen.

Der dritte Grund ist, dass wir sehr viel mehr Anti-Nährstoffe konsumieren, die die Aufnahme von wichtigen Mineralien wie Zink, Eisen, Vitamin C und Calcium blockieren. Zu diesen Anti- Nährstoffen zählen die Phytate, die in hohen Mengen in Getreide enthalten sind.

Das sind auch die Gründe, warum ich bei Laboruntersuchungen bei so gut wie jedem Spitzensportler, den ich teste, sehr relevante Vitamin- und Mikronährstoffmängel entdecke. Diese Mangelsituationen werden durch ein klassisches großes Blutbild beim Arzt nicht ersichtlich.

Diese Mikronährstoffe sind an der Energieproduktion beteiligt, an der Knochen- und Sehnenregeneration, an der Immunfunktion, dem Muskelwachstum und der Gehirnfunktion. Und natürlich geht es den Sportlern besser, wenn sie diese Mikronährstoffe wieder ausreichend aufgefüllt haben – am besten über leichte Ernährungsumstellungen. Sie sagen dann so etwas wie „Ich habe 30 Prozent mehr Energie und mache größere Fortschritte im Training“. Ja klar, so fühlt sich eine bessere Anpassungsfähigkeit an.“

 

“Ein wichtiger Grund warum Menschen an Leistungsfähigkeit verlieren und kränker werden, ist ihre unextreme Lebensweise. Wir leben extrem unextrem. Und das macht uns krank und schwach.“

 

ARTZT: Welche Ernährungsprinzipien sind denn wichtig für eine möglichst große Anpassungsfähigkeit?

Paulina von Wieding: Anpassungsfähigkeit braucht in erster Linie Energie in Form von frei verfügbarer biologischer Energie (ATP – Adenosintriphosphat). Für eine optimale Anpassungsfähigkeit benötigt unser Körper in etwa 80kg von diesem ATP pro Tag (bei einem 75kg schweren Menschen). Diese 80kg ATP werden von unserem Körper dann in den 30 Billionen Zellen des Körpers genutzt, um den Körper so flüssig wie möglich ständig umzubauen (innerhalb der festen genetischen Grenzen) und an sein Umfeld anzupassen. Bindegewebszellen produzieren mit dieser Energie neues Bindegewebe, Knochenzellen produzieren mit dieser Energie neuen Knochen, Herzzellen produzieren mit dieser Energie neue Herzzellen etc.

Sinkt die Energieausbeute unter 80kg pro Tag, dann sinkt in der Folge die Fähigkeit unserer Zellen ihre Arbeit zu verrichten  – und damit auch die Anpassungsfähigkeit.

Je besser unser Körper also darin ist, aus den Kalorien in der Nahrung (physikalische Energie) das ATP (Adenosintriphosphat = biologische Energie) zu generieren, desto mehr biologische Anpassungsenergie steht unserem Körper zur Verfügung.

Für unsere Vorfahren vor 30.000 Jahren war die Energieverfügbarkeit der limitierende Faktor. Nahrung war schwer zu finden.

Heute ist nicht mehr die Energieverfügbarkeit das Problem, sondern die Energieausbeute. Essen gibt es überall. Und dennoch sind Menschen müde und verlieren Anpassungsfähigkeit. Die Menschen werden dicker. Körperfett ist potentielle Energie. Wie kann es sein, dass man gleichzeitig fett, sprich voller physikalischer Energie, und müde (wenig biologische Energie) sein kann?

Das liegt daran, dass die Energieausbeute heutzutage der limitierende Faktor ist. Unser Körper hat zwei Stoffwechselpfade, um aus Kalorien bioverfügbares ATP zu gewinnen, nämlich den Kohlenhydratstoffwechsel und den Fettstoffwechsel. Wenn man fett und müde ist, dann heißt das, dass der Fettstoffwechsel nicht funktioniert. Und der Hauptgrund dafür ist sehr simpel: Der Kohlenhydratstoffwechsel blockiert den Fettstoffwechsel. Zum einen blockiert das durch Kohlenhydrate ausgeschüttete Insulin die hormonsensitive Lipase (HSL) und zum anderen blockiert auch der Kohlenhydratstoffwechsel in der Zelle sehr direkt den Fettstoffwechsel über Malonyl- CoA/CPT-1.

Um den Fettstoffwechsel wieder zu entblocken, muss man zeitweise, immer wieder mal über Wochen auf Kohlenhydrate verzichten. Diese intermittierende Low-Carb-Ernährung (intermittent fasting-mimicking diet (IFM)) hält den Fettstoffwechsel im evolutionären Gleichgewicht. Dadurch hat man mehr ATP (biologische Lebens-Energie) pro Tag zur freien Verfügung und speichert weniger Fett (physikalische Energie) ein.

Unter Stress „saugt“ unser Körper Zucker. Es entsteht Heißhunger auf Zucker und Kohlenhydrate. Um uns also in die beste Position zu bringen, eine intermittierende Low-Carb-Ernährung durchführen zu können, müssen wir unser Nervensystem regulieren.

Gerrit Keferstein: Ein entspanntes Nervensystem ist absolut entscheidend, damit Ernährung seine Wirkung entfalten kann. Sind wir im Kampf- oder Flucht-Modus, dann haben wir Heißhunger auf Zucker. In der Folge wird unsere Darmbarriere löchrig (sympathikogene intestinale Permeabilität), es entstehen Nahrungsmittelunverträglichkeiten und es können dadurch Auto-Immunerkrankungen und andere chronische Erkrankungen auftreten.

Eine blaue Farbbrille wird bei einer Diagnose verwendet.

Farbbrillen sind ein wichtiger Bestandteil bei neurologischen Testverfahren.

ARTZT: Kann man das den Status des Nervensystems testen? Wie verbessert man es?

David Köhler: Bei uns im Institut haben wir gut validierte Diagnostikmöglichkeiten. Im Training arbeiten wir dann mit einigen neurologischen Kleingeräten von der Firma ARTZT, um das Nervensystem zu modifizieren. Dadurch kann man in kurzer Zeit große Fortschritte erzielen. Hierbei nutzen wir vor allem Farbbrillen. Jede Farbe hat eine andere Wellenlänge. Unser Gehirn verarbeitet diese und verknüpft sie mit unseren Erfahrungen. So wirkt Rot bei den meisten Menschen anregend (tonisierend), wohin gegen Blau eher entspannend (detonisierend) wirkt. Diesen Effekt machen wir uns in der aktiven Therapie beispielsweise zur Beweglichkeitsverbesserung zu nutze. In der passiven Therapie kann über das blaue Licht der für Regeneration und Entspannung verantwortliche parasympathische Nerv (N. Vagus) stimuliert werden. Durch verschiedene osteopathische Techniken sowie Atemübungen verstärken wir den Reiz auf das vegetative Nervensystem zusätzlich.

Aber auch zuhause kann man über eine Messung der Herzratenvariabilität einen kleinen Einblick in das eigene Nervensystem bekommen. Durch Biofeedback Geräte, die über eine APP zum Beispiel Puls, Hautleitwert und Hauttemperatur anzeigen, kann die Aktivität des Nervensystems trainiert werden.

ARTZT : Danke für den Einblick! Wie kann man euch weiterverfolgen?

David Köhler: Jeden Sonntag um 11 Uhr veranstalten wir den MOJO Brunch live aus dem MOJO Institut. Dort haben wir wechselnde Gäste und sprechen über alle regenerationsmedizinischen Themen. Und unter ursachenbehandlung.de könnt ihr direkten Kontakt zu uns aufnehmen.

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