„Nur die Vorstellungskraft ist die limitierende Grenze bei der Erstellung des Trainings“

Personal Trainer Lamar Lowery trainiert im ARTZT PT Room mit dem ARTZT vitality aeroSling Personal Trainer Lamar Lowery trainiert im ARTZT PT Room mit dem ARTZT vitality aeroSling

Personal Trainer Lamar Lowery im Interview über Functional Training

Unter Functional Training versteht man eine Trainingsmethode, bei der mehrere Muskelgruppen und Gelenke zugleich beansprucht werden. Diese Trainingsform beinhaltet Übungen mit dem Körpergewicht und funktionellen Trainingsgeräten anstelle eines Workouts an Kraftmaschinen. Lamar Lowery arbeitet als Personal Trainer auf diesem Gebiet und führt eine Functional Training Akademie. Im Interview äußert sich der langjährige Experte zu den Vorteilen des Functional Training.

Was genau ist Functional Training?

Functional Training ist eine revolutionäre Trainingsmethode aus den USA, die auf uralten Wurzeln basiert. Dabei werden die Inhalte dieser Trainingsform nach wie vor kontrovers diskutiert. Am besten gelingt eine Definition dieser Trainingsform, wenn man sich die ursprüngliche Bedeutung der einzelnen Wörter einmal genauer anschaut. Funktion kann definiert werden als das Ausführen einer Handlung, für die eine Person besonders ausgestattet oder für die sie bestimmt ist. Das heißt, eine Funktion hat einen bestimmten Zweck. Training hingegen bezeichnet einen komplexen Handlungsprozess, der eine veränderte Entwicklung durch die Verarbeitung von Reizen hervorruft. Zusammenfassend könnte man also sagen, dass Functional Training Bewegungen entwickelt oder trainiert, für die der Körper geschaffen wurde, mit dem Ziel, ein verändertes – im Idealfall gesteigertes – Wohlbefinden zu erreichen. Ein zweckmäßiges Training also. Zweckmäßig ist aber relativ, da es immer von der individuellen Situation abhängt. So können wir einen Maurer dahingehend trainieren, dass er seine Tätigkeiten des schweren Hebens, Bückens und Streckens oder des diagonalen Reichens besonders effektiv ausführen kann. Die alte Dame benötigt hingegen die notwendige Beinkraft und Koordination, um ihre Wohnung im dritten Stock über die Treppe zu erreichen, und der Leistungsfußballer braucht neben Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer vor allem auch eine gute Reaktionsfähigkeit und Ballkoordination. Dabei können all diese Faktoren nicht isoliert betrachtet werden.

Worauf zielt diese Trainingsmethode ab?

Der menschliche Körper stellt ein Gesamtkunstwerk von äußerster Komplexität dar. Verschiedene Körpersysteme und deren Einzelteile ermöglichen durch ihr ständiges Zusammenspiel die Funktionen, die unser Leben bestimmen. In seiner heutigen "Bauweise" ist der Mensch das Ergebnis eines langen evolutionären Prozesses. Daher müssen wir auch dem Functional Training einen individuellen Spielraum einräumen, um damit bestmögliche Erfolge für den Kunden zu erzielen.

Worin liegen Vorteile und Unterschiede zu anderen Workouts?

Die Funktionen des menschlichen Körpers werden in unserem täglichen Leben maßgeblich von einigen Systemen, wie dem Nervensystem und der Muskulatur, bestimmt, die zusammen eine Art Symbiose oder Interessengemeinschaft bilden. Aus dem technischen Leben könnten wir sie mit einem Automobil vergleichen, bei dem ein wesentlicher Bestandteil nicht ohne einen anderen funktioniert. So kann beispielsweise der Motor nicht ohne die Kraftstoffversorgung und die Zündanlage arbeiten, diese wiederum nicht ohne die Elektrik und das Kühlsystem. Würden wir die komplette Technik und deren Vernetzung entfernen, bliebe nur der „nackte Körper“ des Autos, die Karosserie. Also müssen wir verstehen, wie wichtig es ist, das jedes einzelne System funktioniert, denn jedes System wird zum Problem des Ganzen, wenn es nicht richtig funktioniert. Das Functional Training arbeitet daher auf die Funktionalität jedes einzelnen Systems hin.

Warum rückt Functional Training immer mehr in den Fokus?

Im Fitnessmarkt gibt es das Phänomen, bei dem das Trendpendel sehr extrem in eine bestimmte Richtung des Angebotsspektrums ausschlagen kann. Momentan trifft dieses den Bereich des Functional Trainings. Nach früherer Überkomplexität dieser Trainingsmethode hat sich eine Vielzahl von Sporttreibendenden davon abgewendet. Der aktuelle Trend geht jedoch wieder zurück zu den Wurzeln – weg vom Extremsport und übertriebenen Abnehmwahnsinn, hin zum ausgewogenen Sport, bei dem die Steigerung des Wohlbefindens und die Prävention von Krankheiten im Mittelpunkt stehen. Functional Training kann man daher als aktuellen Hype oder als „In-Wort“ der Sportszene bezeichnen.

Für welche Arten von Menschen ist Functional Training geeignet?

Richtig angewandt, können Personen aller Altersklassen und Leistungsniveaus vom funktionellen Training profitieren. Es hat mittlerweile Einzug in viele Trainingsbereiche erhalten, mit individuell unterschiedlichen Zielstellungen.

Welche funktionellen Trainingsgeräte verwenden Sie im Rahmen Ihres Trainingsprogramms? Welche Übungen führen Sie damit durch?

Meine Lieblingsgeräte im Training sind das Körpergewicht, elastische Widerstände wie Übungsbänder, Loops und Tubings, Gewichte, Seile und labile Unterlagen. Jedoch bietet der Markt ständig „neues Spielzeug“ mit dem neue Motivation geschaffen und neue Trainingsreize gesetzt werden können.

Was spricht für diese Produkte?

Übungsbänder sind bisher beim funktionellen Training als Übungsgeräte weit unterschätzt worden. Ihre begrenzt erscheinende Anwendung im Bereich der Rehabilitation ist nicht repräsentativ für ihr wirkliches Potential. So stellt zum Beispiel das Laufen auf der Stelle gegen Widerstand sowohl eine Erweiterung des Powertrainings, als auch des aerobischen Programms dar. Im Koordinations- und Krafttraining kann für jeden Kunden die Intensität ausgewählt werden, die für das jeweilige Trainingsziel oder die jeweilige Zielgruppe geeignet ist. Kaum ein Produkt ist so vielseitig und flexibel einsetzbar wie der elastische Widerstand. Moderne Medizinbälle sind aus Gummi, haben unterschiedliche Größen und Gewichte, Griffe und integrierte Seile. Dadurch, dass der ganze Körper benutzt wird, kann das Medizinball-Training die gesamte kinetische Kette ansprechen. Die Bälle können als Gewichte benutzt werden, um jegliche Arten von Übungen zu intensivieren. Man kann auch ein asymmetrisches und instabiles Trainingsumfeld schaffen. Nur die Vorstellungskraft des Trainers ist die limitierende Grenze, bei der Erstellung eines Trainingsprogramms. Als ideales Trainingsgerät im Bereich Gleichgewicht und Stabilisierung nutze ich die großen Fitnessbälle und den BOSU Balance Trainer. Wenn auch viele der Übungen nicht aussehen wie alltägliche Bewegungen, eignen sich die Stabilisierungsanforderungen dieser Übungen doch gut, um wichtige Alltags- und Sportmuster zu trainieren, die für die Stabilität wichtig sind. Der begrenzende Faktor beim Training mit diesen Kleingeräten ist die richtige Art der Stabilisierung und nicht die Ausübung maximaler Kraft.

Welche Erfolge können damit erzielt werden?