Mit dem Kopf zuerst!

Das Interview führten Astrid Buscher und Jonas Schön
Fotos: Dominik Suslik

Athletiktrainer Dominik Suslik spricht im Interview über Neuroathletik und über seine Ausbildung bei Dr. Eric Cobb

Dominik Suslik ist Sportwissenschaftler M.A. und Geschäftsführer der PHYSIOCORE Academy. Er arbeitet seit vielen Jahren als Athletiktrainer und ist Leiter Medizin, Gesundheit, Athletik der Hannover 96  Akademie. Im Bereich Athletik- und Personal Training ist er als Ausbilder und Referent deutschlandweit im Einsatz.

Dominik, du bist Sportwissenschaftler und Athletiktrainer u.a. beim Nachwuchsleistungszentrum von Hannover 96. Beschreibe uns doch kurz deinen Aufgabenbereich.

Ich bin jetzt fünf Jahren für Hannover 96 im Leistungszentrum in der Medizinischen Abteilung tätig. Schwerpunkt der Abteilung ist es, Gesundheitsmanagement im Profisport zu etablieren. Und da sind wir mittlerweile auf einem sehr guten Weg.

Das Athletiktraining hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Wie beurteilst du diese Entwicklung?

Im Grunde war es bis zum Jahre 2006, dem Jahr der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland so, dass das Thema Athletiktraining hier noch gar nicht so präsent war. Damals kam es über Mark Verstegen von Athletes’ Performance und über die Fußballnationalmannschaft so langsam auf den deutschen Markt und hat sich dort über die letzten 10 Jahre etabliert. Ich sehe es insgesamt als positive Entwicklung, man muss jedoch zusehen, dass man Fitness- und Athletiktraining nicht zu sehr miteinander vermischt. Grundsätzlich spielen eine gute Athletik sowie gute konditionelle Fähigkeiten eine wichtige Rolle für sämtliche Spitzensportler.

Wie wichtig ist aus deiner Sicht die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Athletiktraining im Allgemeinen und speziell im Bereich Fußball?

Niemand schafft es, den Athleten im Alleingang besser zu machen. Gerade im Teamsport, wo wir über Fachtrainer, Co-Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten, Athletik- und Rehatrainer sowie den sogenannten Präventionstrainer verfügen, ist es unheimlich wichtig, die einzelnen Expertisen optimal miteinander zu verbinden. Der Einzelne als solcher wird niemals erfolgreich sein. Am Ende geht es darum, klare Hierarchien festzulegen und trotzdem auf Augenhöhe zu kommunizieren, um am Ende die bestmöglichen Ergebnisse erzielen zu können.

Du hast die Z-Health Ausbildung bei Dr. Eric Cobb absolviert. Wie siehst du als Athletiktrainer das Thema Neuroathletik?

Ich bin der Meinung, dass wir hinsichtlich des Zusammenspiels von Gehirn und Körper in den letzten Jahren extrem spannende Entwicklungen erkennen konnten. Auf diesem Gebiet  ist Dr. Eric Cobb ein grandioser Dozent. Er erklärt Gehirn und Bewegung einfach und verständlich und schafft es, das bekannte und komplexe Thema Neuroanatomie perfekt zusammenzufassen und so zu vermitteln, wie es kein Buch der Welt tut. Seine Schulungen sind einfach gut: Strukturiert, verständlich, spannend und mit dem nötigen Humor. Eben Lernen auf allen Ebenen!

Angefangen in Deutschland im Jahre 2006 durch Jürgen Klinsmann und dessen mitgebrachten Trainingsmethoden, sind gerade in den letzten Jahren unheimlich viele Methoden im biomechanischen Bereich auf den Markt gekommen, wie Bewegungsanalysen und Präventivdiagnostiken, wo wir uns vermehrt dem Thema Beweglichkeit und Stabilität auf Gelenkebene gewidmet haben. Jetzt ist es so, dass mit dem Begriff Neuroathletik ein neuer Trend unterwegs ist, der eigentlich von den einzelnen Methoden her schon seit Jahren existiert. Wir widmen uns zunehmend dem Thema der visuellen Fähigkeiten oder setzen gezielte Gleichgewichtstrainingsmethoden ein. Aber auch Sensorik und Wahrnehmung, also die Verbesserung des Input des Gehirns, rücken mehr und mehr in den Vordergrund. Ich sehe da ein riesiges Potenzial, was jedoch nicht bedeutet, dass es jetzt plötzlich nur noch um Gehirn und Bewegung geht und alles, was an Biomechaniken und Faszien-Therapiemethoden auf einmal irrelevant geworden ist. Am Ende gilt es eben, diese beiden Bereiche zu einem optimalen Gesamtkonzept zu verbinden und aus jeder Richtung die Rosinen herauszupicken.

 

“Dr. Eric Cobb schafft es, das komplexe Thema Neuroanatomie so zu vermitteln, wie es kein Buch der Welt tut.”

 

Setzt du diese erworbenen Erkenntnisse in der täglichen Trainingspraxis ein?

Ja, definitiv! Das Thema Neurologie erfordert einen enormen Fokus auf Übungsausführung. Teilweise ist es eine Herausforderung, das Ganze in einem Setting mit 20 Athleten umzusetzen. Da gilt es, nach und nach Ideen und Methoden zu entwickeln, die man dann nachher auch im Gruppenszenario umsetzen kann. Die besten Effekte hab ich bisher im Eins-zu-eins-Setting erzielt - sei es in der Prävention, sei es in der Rehabilitation. Hier kann ich dann mit dem Athleten wirklich ins Detail gehen und sehr spezifisch seine Defizite - visuelle Fähigkeiten, Gleichgewicht oder auch Sensorik - aufarbeiten.

Spielen Kleingeräte auch in der Zusammenarbeit von Kopf und Körper eine Rolle?

Speziell im Bereich Sensorik habe ich mich in den letzten drei bis vier Jahren zusammen mit meinem Kollegen Sascha Seifert mit dem Thema Flossing auseinandergesetzt. Vorher verstand man unter Flossing nur Zahnseide. Heute haben wir für die Technik ein elastisches Band mit dem wir arbeiten und zusammen mit ARTZT das Konzept Vitality Flossing auf den Weg gebracht. Im Grunde besteht die Idee darin, einen “Impact” auf die Haut und die darunterliegenden Strukturen zu erzielen. Wir verbessern so den Input für das Gehirn und können so die Beweglichkeit verbessern oder Schmerzen reduzieren. Für mich ist das ein extrem spannendes Tool, das wir sehr gezielt in unser Gesamtsystem aus Athletik und Prävention integrieren können. Insofern spielt der Einsatz von Kleingeräten auch in der Praxis nach wie vor eine große Rolle. Man kann zwar vieles mit dem eigenen Körpergewicht machen, aber am Ende macht’s die Mischung und das Wissen, wie man diese Tools gezielt einsetzen kann.

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