"Das Training mit den TheraBand Stabilitätstrainern bewirkt eine sehr schonende Bewegung der gesamten Muskulatur des Pferdes"

Tierheilpraktikerin Sandra Heider im Interview über Stabilitätstraining mit Pferden

Sie sind u.a. Tierheilpraktikerin und Pferdephysiotherapeutin, was fasziniert Sie an der Arbeit mit Tieren bzw. Pferden?

Ich reite seit meinem 7. Lebensjahr und habe schon immer einen Bezug zu Pferden. Wenn man in ihre Augen sieht, sieht man in ihre Seele und mitunter auch ihren Schmerz Genau hinzusehen und auch hinzuhören, das gehört für mich einfach dazu. Der Dank eines Pferdes ist für mich das wertvollste bei meiner Arbeit. Wenn sie anfangen zu kauen, sich zu entspannen oder auch ein tiefer Atemzug ist für mich ein Zeichen, dass meine Arbeit angenommen wird und beim Pferd ankommt. Es ist das Pferd in seiner Ganzheit, welches mich fasziniert, sie sind so liebevolle und gutmütige Geschöpfe. Pferde leiden still und zeigen oftmals erst sehr spät wenn ein Problem besteht oder sie unter Schmerzen leiden. Ich bin Therapeutin aus Leidenschaft und habe es mir zur Aufgabe gemacht, den Pferden zu helfen und als „Mittelsmann“ zwischen ihm und seinem Besitzer zu „stehen“. Es ist kein Beruf, wo man morgens früh hingeht und um 16 Uhr den Stift fallen lässt, es ist für mich viel mehr als das, es ist meine Berufung und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich sie leben darf! 

Fotocollage Sandra Heider mit Pferden

Sie nutzen für ihre Therapie TheraBand Stabilitätstrainer. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, diese einzusetzen?

Ich habe in 2015 eine Dame aus Amerika kennengelernt, sie setzte seinerzeit die Stabilitätstrainer im Reitunterricht ein. Ich habe mir das alles angesehen und angehört und für mich entschieden: Da kann ich viel mehr draus machen als diese „nur“ im Unterricht anzuwenden und somit habe ich mein System für die Praxis Stück für Stück entwickelt, viel ausprobiert und mich an den Therapeuten für Menschen orientiert. Und es trägt enorme Früchte! 

Welche Wirkung kann das Training mit dem TheraBand Stabilitätstrainer erzielen?

Das Training mit den TheraBand Stabilitätstrainern bewirkt eine sehr schonende Bewegung der gesamten Muskulatur des Pferdes ohne reiterliche Einwirkung. Es werden alle Muskelketten im gesamten Körper angesprochen, ebenso die neurologische Struktur, die Nervenleitbahnen werden aktiviert, das gesamte lymphatische System wird angeregt, der Blutkreislauf und die Zufuhr in die Gefäße wird verbessert, die Leistungsfähigkeit gesteigert, mit dem Training werden die Propriozeptoren aktiviert und die Pferde werden im allgemeinen entspannter. Ich kann sie therapeutisch einsetzen, aber auch für das Training des Pferdes, um die Körperbalance zu fördern, den Kreuzpunkt von Hinterhand zur Vorhand verbessern und und und. Es gibt viele gute Gründe für den Einsatz! 

Kann solch ein Training mit jedem Pferd durchgeführt werden?

Im Grunde ja, es gibt natürlich Sicherheitsmaßnahmen, die eingehalten werden sollten: Jedes Pferd sollte schonend heran geführt werden. Schreckhafte Pferde brauchen sicherlich eine längere Zeit, um die Stabilitätstrainer zuzulassen als eher gelassene Pferde. Aber mit dem Einsatz fördern wir auch die Gelassenheit! Ich sehe den Einsatz der Stabilitätstrainer nur im Bereich von akuten Verletzungen oder frischen Operationen kritisch, aber auch hier kann man mit dem Tierarzt und einem erfahrenen Therapeuten sicherlich einen Therapieplan erstellen, sobald das Pferd wieder ins Training kann. 

Sollte dabei stets ein Profi vor Ort sein oder kann ein Laie die Übung auch alleine durchführen?

Hier muss man gar nicht viel machen. Die Schwingung durch den gesamten Körper, die sich ergibt, sobald man zwei oder vier Beine auf die Stabilitätstrainer stellt, reicht eigentlich schon aus. Man kann gerne einige Dehnungsübungen dazu machen aber es erscheint mir nicht als notwendig. 

Wie sieht eine typische Übung mit dem TheraBand Stabilitätstrainer aus?

Ich weise jeden meiner Patientenbesitzer ein und bin bei dem ersten Training dabei. Im Vorfeld wird bei mir eine physiotherapeutische Behandlung vollzogen, um Blockaden jeglicher Form zu beheben. Wenn ein Pferd Blockaden aufweist (und das haben leider die meisten Pferde), ist jegliche Form von Training eher kontraproduktiv! 

Sie nutzen neben den Pads auch TheraBand Übungsbänder. Wie kommen diese zum Einsatz?

Ja, ich nutze die Theraband Übungsbänder sehr gerne, um die Pferde an der Hand oder auch unter dem Sattel zu trainieren. Das Band wird um die Hinterhand des Pferdes gelegt, d. h. ich befestige es rechts und links am Sattel oder Longiergurt und das Band verläuft auf Höhe der Kniekehle. Zu Anfang mache ich keinen Zug auf das Band, das Pferd soll sich erst einmal an das Gefühl gewöhnen. Von Tag zu Tag spanne ich das Pferd mehr und mehr ein. Das Einspannen bewirkt, dass das Pferd beim Anheben des Hinterbeines den Impuls bekommt, das Hinterbein weiter unter den Schwerpunkt (also nach vorne) zu setzten und somit wölbt sich der hintere Rückenbereich auf. Ich stärke also mehrere Bereiche gleichzeitig. 

Welche Erfolge können damit erzielt werden?

Wie bereits erwähnt, stärke ich die Hinterhand und den Rücken, ich fördere die Kraftumsetzung der Hinterhand und das Pferd bekommt dadurch mehr Trag- & Schubkraft und dadurch bedingt mehr Schwung. Das gesamte Pferd tritt mehr durch seinen Körper und wird dynamischer, aktiver in seinen Bewegungen und mobiler. 

Wie viel Zeit beansprucht das Training mit Stabilitätstrainern und Bändern?

Ich stelle die Pferde zu Anfang max. 5-10  Minuten auf die Stabilitätstrainer und steigere bis auf, wenn möglich, 20 Minuten täglich. Man kann sie bereits während des Putzens des Pferdes einsetzen oder das Pferd dabei füttern, es macht keine zusätzliche Arbeit. Die Zeit benötige ich sowieso, um das Pferd für das Training vorzubereiten und somit habe ich schon eine gewisse Aufwärmphase. Das Training mit dem TheraBand Übungsband wird individuell eingesetzt. Hier ist der allgemeine sowie der Trainingszustand des Pferdes entscheidend. Die Arbeit mit dem TheraBand Übungsband sollte 2-3 Mal pro Woche, als Alternative zum Reiten eingesetzt werden. 

Auch die Umstellung des Futters kann manchen Tieren helfen. Können Sie uns genauer erklären wie das funktioniert und welche Ergebnisse damit erzielt werden können?

Oh, das Thema Futter ist ein Riesenthema und da spalten sich die Meinungen enorm! Ich füttere meinem Pferd (und empfehle das auch all meinen Patientenhaltern) ungequetschten Hafer, Heu, Stroh, Mineralfutter, Öl als Energieträger und Möhren oder auch Äpfel, Gebe zusätzlich Kräuter, entgifte regelmäßig den Organismus und täglich Weidegang. Das ist ausreichend um, ein Pferd bis ins hohe Alter gesund zu halten. Je nach Leistung eines Pferdes kann hier unterstützend mit Elektrolyten oder sonstigem unterstützt werden aber das ist sehr individuell zu betrachten.