„Beim betrieblichen Gesundheitsmanagement geht es um das große Ganze“

Diplom-Sportwissenschaftlerin Charlotta Cumming über betriebliches Gesundheitsmanagement

Um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter zu steigern und damit verbunden auch die Produktivität des gesamten Unternehmens, setzen immer mehr Arbeitgeber auf betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM). Dadurch ergibt sich also eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Als Geschäftsführerin der bewegbar @ TAP-FIT GmbH verfolgt Diplom-Sportwissenschaftlerin Charlotta Cumming vielfältige Projekte innerhalb des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Dabei arbeitet sie auf mehr Bewegung in die richtige Richtung hin.

Charlotta Cumming

Warum spielt in Ihren Gesundheitskonzepten die Richtung der Bewegung so eine entscheidende Rolle?

Dazu sind mir zwei Punkte wichtig: Erstens muss eindeutig zwischen Sport und Bewegung unterschieden werden, häufig wird das noch gleichgesetzt. Das heißt, viele Konzepte, die zum Thema Bewegung im Betrieb angeboten werden, sind häufig an Sportprogramme angelehnt und das ist meiner Meinung nach zu hoch gegriffen. Der Arbeitsplatz ist kein Platz um Sport zu treiben. Er ist aber sehr wohl ein Platz, an dem Bewegung stattfinden muss. Oft wird aber der Wert von Bewegung unterschätzt. Es geht wirklich darum, den Alltag bewegter zu gestalten, und das auch unabhängig davon, ob man sich in seiner Freizeit sportlich betätigt oder nicht.

Zweitens sollte Bewegung in die „richtige“ Richtung stattfinden. Bewegung am Arbeitsplatz sollte die durch den Arbeitsalltag belasteten Strukturen kurzfristig entlasten und somit auf lange Sicht widerstandsfähiger machen. Das bedeutet, dass man sich anschauen muss, worin die Belastung eigentlich besteht und dementsprechend Ausgleichsbewegungen anbieten.

Wie sehen die Lösungsangebote innerhalb Ihres betrieblichen Gesundheitsmanagements aus?

Lösungsangebote sind immer im Gesamtkonzept behaftet und auf die einzelnen Unternehmen zugeschnitten. Das kann man so nicht pauschal beantworten.

Diese Lösungsangebote werden individuell konzipiert. Worin liegen dabei die Unterschiede zwischen Unternehmen?

Ganz klassisch ist natürlich der Unterschied, ob produzierend oder verwaltend in einem Unternehmen gearbeitet wird. Hauptsächlich kommt es aber darauf an, wie das Unternehmen eigentlich „tickt“. Gibt es schon einen Gesundheitszirkel, der den Gesamtprozess steuert? Steht die gesamte Belegschaft inklusive Führung hinter der Idee des BGM? Welche Maßnahmen sind in dem Betrieb nötig? Was ist organisatorisch umsetzbar? Wo sind da vielleicht auch Grenzen? Das sind Fragen, die sich in diesem Kontext stellen. Von den Antworten auf diese und andere Fragen hängt es ab, mit welchen Maßnahmen der Prozess eingeleitet beziehungsweise fortgeführt wird.

Welche Effekte hat betriebliches Gesundheitsmanagement neben dem Vorbeugen körperlicher Belastungen?

BGM darf nicht als kleine Bewegungsmaßnahme missverstanden werden, denn dabei geht es um das große Ganze. Maßnahmen zur Bewegungsförderung sind aber wichtige Bausteine des BGM. Deshalb hat intelligentes Gesundheitsmanagement letztlich nichts anderes als das „gesunde Unternehmen“ zum Ziel, sowohl finanziell gesehen als auch bezogen auf das Befinden einzelner Mitarbeiter.

Wie viel Zeit beanspruchen Ihre Gesundheitskonzepte im Arbeitsalltag, um sich auch dauerhaft positiv auszuwirken?

Generell ist eine Zeit-Nutzen-Rechnung sehr schwierig und die Spanne auch sehr weit. Viele der praktischen Maßnahmen, die ich anbiete, fädeln sich so in den Arbeitsalltag ein, dass sie gar keine Zeit kosten. Andere Maßnahmen wirken sich sogar zeitsparend aus, zum Beispiel die Einführung von „Stehungen“ statt Sitzungen, die im Schnitt wesentlich schneller und effektiver ablaufen. Außerdem arbeiten entspannte und fokussierte Mitarbeiter auch kreativer und schneller. Wenn das Unternehmen vom Gesamtkonzept profitiert, kann das natürlich sehr zeitsparend sein.

Bewegte Pausen hingegen dauern nun einmal 10-15 Minuten. Ob man diese als Zeitfresser betrachtet oder als lohnende Pause, ist Ansichtssache. Allerdings muss man eines beachten: Zeit muss für die Gesamtorganisation zur Verfügung stehen. BGM muss, wie gesagt, als Ganzes gesehen werden. Die Organisation, das Zusammenführen der einzelnen Fäden, die Kommunikation, all das benötigt Zeit – ein Aufwand, der sich jedoch bezahlt macht.

Welche funktionellen Kleingeräte verwenden Sie innerhalb Ihres gesundheitsorientierten Trainings? Welche Übungen können damit durchgeführt werden?

Ich empfehle sogenannte Bewegungsboxen, die in den Betrieben bereitstehen und die dann auch unterschiedlich bestückt werden können. Für diese Boxen gibt es dann zwei Einsatzmöglichkeiten: aktive und passive Nutzung. Passive Mittel, die die Mitarbeiter immer mal heranholen können, stören den Arbeitsablauf nicht. BLACKROLL MiniBalancesitzBallkissen oder auch Handtrainer können problemlos während der Arbeit vor dem Computer verwendet werden. Zu den aktiven Mitteln gehören LoopsStabilitätstrainer oder das Thera-Band Übungsband. Hiermit können auch explizit Übungen ausgeführt werden, die allerdings immer niedrigschwellig angesetzt werden sollten.