Muskelkater - Die „kleine” Rache des Körpers

Thorsten Dargatz, Medizinredakteur & Autor

Es gibt wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt. Die schmerzhafte Steifheit, zuvor ungewohnt belasteter Muskelgruppen. Schon kurz nach einem heftigen Workout spürt man die ersten Auswirkungen. Erst noch ganz harmlos, ein leichtes Ziepen, ein unangenehmes Spannen. Doch dann am zweiten Tag, die äußerst schmerzhafte Quittung: der Muskelkater.

Eigentlich ist Muskelkater eine völlig harmlose Sache. Nur unterschätzen darf man ihn nicht. Erstaunlicherweise hält sich auch heute noch hartnäckig das Gerücht, es würde sich um eine Übersäuerung der Muskulatur handeln, weil aufgrund einer zu hohen Belastung zu viel Laktat produziert wurde. Das ist aber völlig falsch und mittlerweile durch wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt. Beim Muskelkater handelt es sich vielmehr um allerkleinste Verletzungen, sogenannte Mikrotraumen. Diese treten fast ausschließlich bei Belastungen auf, bei denen der Muskel so genannte exzentrische Arbeit leisten muss. Bei dieser Form der Muskelarbeit muss sich der Muskel gleichzeitig dehnen und gegen den Widerstand zusammenziehen. Oder kontrahieren, wie die Fachleute sagen.

Erklären lässt sich das am Besten an einem Beispiel: Wer den Pariser Eiffelturm zu Fuß erzwingen möchte, muss ein paar hundert Treppen hinaufsteigen. Oben angelangt sind die meisten wahrscheinlich völlig erschöpft, aber ein Muskelkater tritt nicht auf. Wenn man dann aber den Rückweg antritt und die Treppen herabsteigt, muss der Muskel exzentrische Arbeit leisten und vor allem bei weniger trainierten Menschen kann es dann zu einem Muskelkater kommen.

Was genau dabei passiert, zeigt ein Blick ins Innere der Kraftpakete: Innerhalb des Muskels kommt es dabei zu Rissen in den sogenannten Z-Scheiben. Dabei handelt es sich um die kleinsten Einheiten des Muskels. In ihnen befindet sich der Muskelmotor mit den Eiweißstoffen Aktin und Myosin. Mit anderen Worten: Muskelkater entsteht durch Überlastung. Deshalb sollte ein Fitnesstraining auch immer dem aktuellen Leistungsstand angepasst sein und ganz allmählich gesteigert werden. Tritt trotzdem ein Muskelkater auf, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass man es übertrieben hat. Leistungssteigerungen sind auch nicht zu erwarten. Sogar das Gegenteil ist der Fall. Denn der Muskelkater zwingt zu einer unbeabsichtigten Pause.

Neben einem vernünftig dosierten Training gilt ein gutes Aufwärmprogramm als beste Vorbeugemaßnahme. Auch ein Dehn- und Stretchingprogramm kann vor Muskelkater schützen. Die wichtigsten Behandlungsmaßnahmen, falls doch Muskelkater auftritt sind ein regeneratives Training, wie ganz langsames Joggen, Sauna, Wannenbäder mit Rosmarin- und Arnikazusatz, durchblutungsfördernde Maßnahmen und leichte Streichmassagen. Ganz wichtig zu wissen: Alle genannten Maßnahmen können die Schmerzen zwar lindern, bisher wurde aber noch kein Weg gefunden, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Besser ist es also, gar nicht erst einen Muskelkater zu bekommen.

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