Interview mit Life-Kinetik-Entwickler Horst Lutz: „Wir wollen neue Reize setzen und Verbindungen bauen, die man im Alltag nutzen kann“

Nicht nur das körperliche Potenzial entscheidet über Sieg oder Niederlage. Auch die kognitive Leistung zählt zu den wichtigsten Fähigkeiten eines Sportlers. Life Kinetik heißt ein Trainingsprogramm für Körper und Gehirn, bei dem durch die Simulation komplexer Bewegungsmuster die Leistungsfähigkeit des Gehirns gesteigert werden soll. Spitzensportler der DFB-Elf, von Borussia Dortmund oder auch Skifahrer Felix Neureuther wenden regelmäßig Life Kinetik an. Neben dem Spitzensport dient es aber auch als Unterstützung in allen Lebensbereichen und für Menschen jeden Alters. Entwickelt wurde Life Kinetik von Horst Lutz, der im Interview sein innovatives Bewegungsprogramm genauer erläutert.

Wie kann die kognitive Leistung durch Life Kinetik gesteigert werden?

Durch die Tatsache, dass wir mit Life Kinetik ständig neue Verbindungen im Gehirn schaffen. Wir führen permanent neue, sehr ungewohnte Bewegungsaufgaben in Kombination mit visuellen beziehungsweise generellen Wahrnehmungsaufgaben durch und zusätzlich werden eben auch die kognitiven Fähigkeiten beansprucht. Das führt dazu, dass im Gehirn neue Verbindungen entstehen, die man für die anderen Dinge, für das tägliche Leben nutzen kann. Aus diesem Grund verbessert Life Kinetik die kognitiven Fähigkeiten.

Welche Erfolge können bei regelmäßiger Durchführung des Programms gefeiert werden – bei Leistungssportlern, Kindern oder auch Senioren?

Da gibt es ganz vielschichtige Dinge. Wir haben einerseits eine Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten, wie Standgleichgewicht oder auch Auge-Hand- und Auge-Beinkoordination. Wir haben aber auch eine deutliche Zunahme im Bereich der fluiden Intelligenzleistung und deutliche Verbesserungen hinsichtlich der visuellen Wahrnehmung. Die Stressresistenz nimmt zu und auch die Erholungsfähigkeit verbessert sich deutlich. Zudem steigt der Dopaminlevel an, was die Voraussetzung ist, um richtig lernen und kreativ sein zu können. Das führt zu verbesserten kognitiven Fähigkeiten, wie eben Aufmerksamkeitsverbesserungen oder auch von Kindern in den Bereichen Mathematik, Lesen und Rechtschreibung. Auch im Sport ergeben sich eine verbesserte Zielfixierung, eine beschleunigte Entscheidungsfreudigkeit und weniger Fehler im eigenen Handeln.

Wie wichtig ist dabei die Variation der Übungen? Wie abwechslungsreich lassen sich diese gestalten?

Die Variation der Übungen ist das Hauptelement unseres Programms. Wir machen niemals eine Übung nochmal auf die gleiche Art und Weise. Das heißt, immer wenn von zehn Versuchen vier bis fünf funktionieren, verändern wir die Übung bereits wieder. Wir wollen nicht, dass jemand die Übungen irgendwann einmal perfekt beherrscht, weil sie dann nicht mehr weiterhelfen. Stattdessen wollen wir neue Reize setzen und neue Verbindungen bauen, die man dann im Alltag für die anderen Dinge des Lebens benutzen kann. Für uns ist es elementar, dass wir permanent neue Sachen machen. Wir wollen das Gehirn ständig vor neue Herausforderungen stellen, um dadurch für einen Lernvorgang zu sorgen.

Warum spielt der Unterschied von Lernen müssen und Lernen mögen eine so wichtige Rolle?

Das liegt sehr viel am Teilbereich der Dopaminausschüttung. Zum Lernen muss man im Gehirn eine bestimmte Grundvorbereitung haben und dazu ist ein erhöhter Dopaminspiegel nötig. Nur unter dieser Voraussetzung besteht eine Bereitschaft zu lernen und auch kreativ zu sein. Dopamin ist gleichzeitig aber auch ein Belohnungsbotenstoff. Das heißt, wenn ich einen hohen Dopaminspiegel habe, macht mir das Lernen auch Spaß und es bleibt mehr im Gedächtnis hängen. Habe ich den nicht, ergibt sich eigentlich genau das Gegenteil. Ich kann mir vorerst nichts behalten und muss es mir später aneignen. Gerade für den Lehrbereich – in der Schule oder beim Studium, wo eben schon während dem Unterricht oder der Vorlesung viel transportiert wird – ist ein hoher Dopaminspiegel notwendig, auf Basis dessen man sich die Dinge wesentlich leichter merken kann und folglich zu Hause weniger nacharbeiten muss.

Was unterscheidet Life Kinetik von klassischem Gehirnjogging, beispielsweise in Form von Sudoku oder Rätseln?

Der Bereich des klassischen Gehirnjoggings betrifft immer nur bestimmte Areale des Gehirns und diese werden dann spezialisiert. Ich lerne dann sehr gut Sudokus oder Kreuzworträtsel zu lösen, was aber nichts mit dem zutun hat, was eben im Alltag gefordert ist, weil es dabei fast ausschließlich um die Reproduktion von gelernten Vorgängen geht. Uns geht es vielmehr darum, dass wir flexibel auf die Herausforderungen des Alltags reagieren können und dafür brauchen wir eine Vernetzung aller Bereiche des Gehirns. Dazu gehören eben auch das Bewegungsareal, das Wahrnehmungsareal, die Wahrnehmung visueller und auditiver Art und so sind wir in der Lage wesentlich mehr Verbindungen im Gehirn zu schaffen, statt bloß in einem ganz bestimmten Teilbereich. Das erklärt sich aus dem Unterschied zwischen kristalliner und fluider Intelligenz. Kristalline Intelligenz ist eine Reproduktionsintelligenz. Was ich einmal gelernt habe, kann ich auch in Zukunft anwenden. Die fluide Intelligenzleistung ist hingegen die Problemlösungsintelligenz, die mir hilft, unter Benutzung der vorhandenen Mittel und der aktuellen Situation die Lösung zu finden.

In welcher Regelmäßigkeit muss Life Kinetik angewendet werden, um positive Effekte hervorzurufen?

Es genügen 60 Minuten pro Woche, wobei es nahezu unerheblich ist, ob das am Stück passiert oder ich Life Kinetik stattdessen zweimal 30, dreimal 20 oder täglich nur zehn Minuten anwende. Die Aufteilung spielt dabei keine wirkliche Rolle, wie wir festgestellt haben. Wöchentlich 60 Minuten wären aber ratsam, der Zeitaufwand ist nicht erheblich.

Gibt es Personengruppen, die besonders empfänglich oder talentiert für das Trainingsprogramm sind?

Das kann man nicht pauschal über einen Kamm scheren, dabei gibt es Differenzen. Es gibt kaum jemanden, der in allen Teilbereichen unseres Trainings Schwierigkeiten hat, sondern jeder hat eben seine Vorlieben und auch Dinge, die er nicht besonders gut kann. Diese Unterschiede zeigen sich auch immer im Training, da die Teilnehmer je nach Thema immer unterschiedliche Probleme mit den Übungen haben. Ich habe bis jetzt noch niemanden kennengelernt, der in allen Teilbereichen hervorragend war.

Kann Life Kinetik beispielsweise auch in der Rehabilitation von Verletzungen positive Ergebnisse zur Folge haben?

Wir sind zwar grundsätzlich nicht therapeutisch ausgerichtet, aber wir haben festgestellt, dass eben gerade im Bereich Rehabilitation nach Sportverletzungen beispielsweise auch eine Vernetzung des Gehirns entscheidend dafür ist, wie gut derjenige dann auch in sein tägliches Leben zurückfindet. In diesem Zusammenhang kann man Life Kinetik hervorragend mit einsetzen. Nicht als eigene Therapieform, die die anderen ersetzt, sondern als Unterstützung weiterer Behandlungsmethoden.

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