Interview mit Fußballprofi Daniel Schwaab: „Mithilfe von Stabilitätsübungen kann ich Verletzungen vorbeugen“

Daniel Schwaab begann seine Fußballerkarriere mit 11 Jahren beim SC Freiburg. Schon mit 18 Jahren bestritt er sein erstes Zweitligaspiel für die  Freiburger in der Münchner Allianz Arena. Im Jahr 2009 holte er mit dem SC Freiburg die Meisterschaft in der zweiten Liga und wurde mit der U21
Nationalmannschaft Europameister. Danach spielte er für drei Jahre bei Bayer Leverkusen, mit denen er dann 2011 Vizemeister wurde. Anschließend bestritt er 92 Spiele für den VfB Stuttgart, bevor er zur Saison 2016/2017 zum PSV Eindhoven in die Niederlande wechselte.

Sie spielen seit der Saison 2016/2017 in den Niederlanden beim PSV Eindhoven, welche Unterschiede zum deutschen Profifußball können sie feststellen?

Die Spiele finden auf einem technisch sehr hohen Niveau statt, das heißt die Spielweise ist sehr taktisch geprägt. Im Vergleich zur Bundesliga spielen viele Mannschaften nicht so körperlich, die verteidigende Mannschaft ermöglicht der angreifenden Mannschaft einen geordneten Spielaufbau
und die Chance Lösungen zu finden. Daraus resultiert ein sauberes und technisches Spiel, welches nicht durch Kampf und Härte geprägt ist. Des Weiteren waren vor allem zu Beginn meiner Spielzeit in den Niederlanden die Trainingseinheiten nicht so hart und anstrengend wie in der Bundesliga. In der letzten Zeit sind diese allerdings härter geworden. Ich sehe es auch als einer meiner Aufgaben an, meine Mitspieler daraufhin zu weisen, dass es noch viel härter geht. Vor allem junge Spieler, welche aus der holländischen Jugend kommen sind solch ein Training nicht gewohnt und empfinden dieses dann als sehr hart.

Mit mehr als 10 Jahren im Profifußball sind Sie ein „alter Hase“, wie hat sich ihrer Meinung nach die Spielweise in den letzten Jahren entwickelt?

Das Team rückt immer mehr in den Vordergrund. Mannschaften die auf individuelle Qualität eines oder weniger Spieler setzen, können es sehr schwer haben gegen eine Mannschaft die als Team perfekt zusammen spielt. Dieser Trend lässt sich an Vereinen wie Freiburg oder Köln sehen, welche über eine geschlossene Teamleistung, viel Einsatz, Wille und Laufbereitschaft einiges wettmachen können. Und genau da geht auch der Trend hin, es gibt kaum noch Mannschaften, die ein oder zwei Spieler mitziehen können, die weniger laufen und sich nur auf die Offensive konzentrieren. Es müssen alle elf Mann verteidigen und alles geben, sonst hat man einen deutlichen Nachteil.

Die Einstellung „Viel hilft viel“ ist veraltet, es wird viel mehr von Trainingssteuerung gesprochen. Wie hat sich die Trainingsweise in den letzten Jahren verändert?

Die Trainerteams werden immer größer, für jeden Bereich gibt es einen Experten. Der Athletiktrainer übernimmt dabei meist die s.g. Trainingssteuerung. Es wird nicht mehr nur auf dem Rasenplatz trainiert, sondern auch im Kraftraum und im läuferischen Bereich. Es wird genau darauf geachtet wann die Umfänge und Intensitäten erhöht werden können und letztendlich hat jede Übung bzw. Einheit einen Hintergedanken, nicht nur im fußballtechnischen Aspekt sondern auch im athletischen.

Ist im (Profi-)Fußball Taktik genauso wichtig wie Fitness?

Ich würde sagen, dass man ohne Taktik aber mit viel Fitness vielleicht ein Spiel gewinnen kann. Aber ich weiß nicht ob es andersherum klappen würde. Vor allem weil es den Trend gibt, dass der Fußball immer schneller und athletischer wird. Deswegen würde ich fast sagen, dass Fitness wichtiger ist. Allerdings sollte die Taktik nicht vernachlässigt werden.

Wie wichtig ist das Thema Ernährung im Profisport?

Am Anfang meiner Karriere wurde diesem Thema keine so hohe Bedeutung zugeschrieben. Im Laufe der Zeit wurden dann nach und nach in den Vereinen Ernährungsberater integriert. Es wurde versucht, die Spieler für das Thema zu sensibilisieren und auf die Relevanz hinzuweisen. Es gibt immer wieder Spieler die mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, vor allem diese werden für das Thema Ernährung immer wieder sensibilisiert. Es gibt immer die Möglichkeit durch eine gute Ernährung ein paar Prozentpunkte mehr an Leistung raus zu kitzeln. Es gibt Beispielsweise das Konzept „Train low, compete high“, welches sich durch eine Ernährung mit wenig Kohlenhydraten unter der Woche, um die Fettverbrennung zu fördern, auszeichnet. Mit Blick auf das Spiel am Wochenende werden die Speicher dann wieder richtig aufgefüllt um beim Spiel die Energie aus Fett- und Kohlenhydratverbrennung nutzen zu können. Darüber hinaus gibt es auch immer wieder Ernährungstipps für einen gezielten Muskelaufbau oder andere Wege um maximale Leistung erbringen zu können.

Sie wurden auch schon von Verletzungen heimgesucht. Welche Maßnahmen haben Sie zurückgebracht auf’s Spielfeld gebracht und welche ergreifen Sie, um Verletzungen vorzubeugen?

Ich habe am Anfang immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Seit ich regelmäßig Stabilitätsübungen mache und mich vor jedem Training mindestens eine halbe Stunde intensiv vorbereite, habe ich meinen Körper besser kennen gelernt und bin dadurch lange nicht so anfällig für Kleinigkeiten geworden. Ich bin durch Core-Training (Rumpftraining) viel stabiler geworden und das hilft mir ein besseres Körpergefühl zu bekommen und Verletzungen vorzubeugen. Viele Stabilitätsübungen vor dem Training und bei einem umfangreichen Training ausdehnen nach dem Training, helfen mir dabei. Welche Geräte helfen ihnen bei den Übungen? Ich mache allgemeine Stabilitätsübungen gerne mit dem Fitnessball, vor allem für den Bauch und den Rücken kann dieser sehr hilfreich sein. Für Sprunggelenke und Knie nutze ich den BOSU, vor allem Übungen wie ein Einbeinstand mit geschlossenen Augen mit und ohne Medizinball in der Hand, sowie Standwagen, sind meine Favoriten weil dabei nahezu jede Muskelgruppe angesprochen wird. Des Weiteren kommen Übungsbänder zur Aktivierung verschiedener Muskelgruppen zum Einsatz.

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Physios im Laufe der Jahre entwickelt?

Auch die Physios werden immer wichtiger, der Fußball wird immer athletischer und anspruchsvoller. Der Körper muss immer mehr an seine Grenzen gehen und dadurch wird eine gute therapeutische Betreuung immer wichtiger. Die Physios sind heutzutage top ausgebildet, es gibt kaum noch die klassischen Masseure, welche nur massieren. Es wird vielmehr der ganze Körper betrachtet und bei Beschwerden genau geschaut, wo die Ursache liegen könnte. Dabei wird nicht nur die Körperstelle betrachtet an der es schmerzt, sondern vielmehr woher die Beschwerden genau kommen und wie man das Problem lösen kann.

Faszien sind in aller Munde, welche Rolle spielen diese bei ihrer Regeneration?

Die erste Massagerolle haben ich beim DFB in der U19 und U21 kennengelernt. Nach und nach wurde sie auch in die Bundesligavereine integriert. Auch beim PSV nutzen wir eine Massagerolle, weil die Spieler und die Verantwortlichen die Erfahrung gemacht haben, dass die Rolle wirklich helfen kann. Nach einer hohen Belastung kann man beim „ausrollen“ genau spüren wo es weh tut und welche Körperregionen besonders beansprucht wurde. Auf diesen Stellen rolle ich besonders lange aus, um auf die nächsten Trainingseinheiten und Spiele wieder perfekt vorbereitet zu sein.

Wie halten Sie sich in der spielfreien Zeit fit?

Auch das hat sich im Laufe der Jahre verändert. Früher habe ich vor allem viele Läufe nach einem Trainingsplan gemacht, der uns vorgegeben wurde. Am Anfang habe ich diese Läufe nur sehr selten durch Stabilisationsübungen ergänzt. In den letzten Jahren wurden die Stabilitätsübungen immer mehr intensiviert und dadurch hatte ich in der Vorbereitung immer weniger Probleme mit der erhöhten Belastung. 50 Minuten Dauerlauf ist das Gegenteil zum fußballspezifischen Training. Das Training ist durch kurze Bewegungen geprägt, dabei können die Stabilitätsübungen im Voraus sehr hilfreich sein. Man geht viel vorbereiteter in die Saisonvorbereitung und in dieser Zeit wird der Grundstein für die Saison gelegt. Man versucht in dieser Zeit Topleistungen abzurufen und keine Einheit zu verpassen, schließlich geht es um den ersten Eindruck den man beim Trainer hinterlässt sowie um die Stammplätze. Wenn man in der trainingsfreien Zeit gut arbeitet geht man gut in die Vorbereitung und startet dann auch besser in die Saison.

Sie haben vorher den Fitnessball erwähnt, was zeichnet diesen in ihren Augen aus?

Der Fitnessball ist sehr vielseitig. Ich versuche stets mit meinen Übungen so viele Muskelgruppen wie möglich anzusprechen, weil man damit das Zusammenspiel der Muskelgruppen trainiert. Genau das braucht man dann später. Beispielsweise kann man mit einer Kurzhantel eine Muskelgruppe in den Armen trainieren, das ist nicht wirklich das was man für den Fußball braucht. Fitnessbälle eignen sich dabei für den ganzheitlichen Ansatz, um möglichst viele Muskelgruppe gleichzeitig anzusprechen.

Sie haben beim PSV Eindhoven noch einen Vertrag bis 2019, geht es danach mit 31 Jahren schon in die Fußballerrente?

Wenn ich mich in eineinhalb Jahren immer noch so fühle wie heute, kann ich es mir schwer vorstellen. Ich habe immer noch so viel Spaß dabei und wie bereits erwähnt, habe ich meinen Körper immer besser kennen gelernt und fühle mich richtig gut. Ich habe selten Wehwehchen und bin in einem richtig guten Zustand. Sollte es mir 2019 immer noch genauso gut gehen, versuche ich ein bisschen was draufzuhängen.

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