„Gemeinsam lernen, gemeinsam reden, gemeinsam Spaß haben“ – Das 4. ARTZT Symposium bot vollen Einsatz für Kopf und Körper

Eingangsbereich beim 4. ARTZT Symposium auf Schloss Montabaur Eingangsbereich beim 4. ARTZT Symposium auf Schloss Montabaur

Text: Astrid Buscher, Jonas Schön
Fotos: Mira Hampel

Kopf und Körper muss man haben

Freitag, 02. Februar. Die ersten Teilnehmer strömen bereits zum alten Schloss Montabaur. Besonders der Körper wird beim recht steilen Schlossaufstieg gefordert. Denn wie im Jahr zuvor, begann das 4. ARTZT Symposium bereits am Freitag mit gleich zwei Pre-Workshops, wahlweise mit Dr. phil. Peter Schwind oder Dr. Eric Cobb. Beide boten theoretisches wie praktisches Know-how zum PSOAS-Muskel bzw. zu Pain and Performance Neurology. Da fiel die Wahl gewiss nicht leicht.

Dr. Henning Beck bei seinem Vortrag auf dem 4. ARTZT Symposium 2018
Unterhaltsam und informativ begann der Samstag mit dem Eröffnungsvortrag von Science Slammer Dr. Henning Beck.

Unterhaltung und Diskussion am Samstag

Der Samstag startete informativ und unterhaltsam: Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler und Science Slammer, demonstrierte mit einfachen, einprägsamen Beispielen, wie das menschliche Gehirn sich von informationsbasierten Rechenmaschinen unterscheidet: Es ist nicht an Daten interessiert, sondern an Geschichten und Ideen. Und diese entstehen am besten „mit dem gewissen Abstand“, z.B. bei sportlicher Betätigung, wenn das Gehirn offen ist für neue Eindrücke und Denkweisen. Bewegung fördert Problemlösung! Im Anschluss präsentierte Health & Movement Specialist Dr. Eric Cobb, dass Schmerz reine Kopfsache ist und nicht zwangsläufig mit der Schwere der Verletzung einhergehen muss. Schmerz entsteht als Warnsignal im Gehirn und soll unser Überleben sichern. So kann es auch vorkommen, dass wir nach einem Unfall einen gebrochenen Knochen zunächst gar nicht wahrnehmen. „Survival is more important than paying attention to injury.“

Robert Lardner, Physiotherapeut und Instructor der Prager Schule, beschäftigte sich mit dem Thema Dynamic neuro-muscular stabilization and its role in rehabilitation und betonte dabei besonders den Stellenwert der Entwicklungskinesiologie in Therapie und Training. Danach zeigte Dr. phil. Peter Schwind die Bedeutung der Brücken zwischen Bewegungsapparat und Gehirn in einem Praxisbeispiel. Nach einer kurzen Verschnaufpause in der Glaskuppel des Veranstaltungszentrums sprach Prof. Dr. Urs Granacher über die Wirkungen von Training auf die körperliche Fitness und die kognitive Funktion von Kindern und Jugendlichen, gefolgt von Dr. phil. Christian Puta der die Frage stellte: Verändern chronische Schmerzen die visuelle Wahrnehmung von Bewegungen und die Verarbeitung von schmerzbezogenen Wörtern? Im Anschluss startete mit der Expertendiskussion ein echtes Highlight des diesjährigen ARTZT Symposiums Über die Frage Kopf & Körper – Was dominiert? diskutierten Dr. phil. Peter Schwind, Prof. Dr. Urs Granacher, Dr. phil. Christian Puta, Prof. Dr. med. Dr. phil. Winfried Banzer, Dr. phil. Jan Wilke sowie Dr. biol. hum. Robert Schleip. Am Ende fasste Moderator Bastian Schmidtbleicher zusammen: „Wir können es nicht wissen.“ Denn auch die Erkenntnis des Nichtwissens ist ein wichtiger Aspekt wissenschaftlichen Denkens und Handelns.

Mit Witz und Charme präsentierte Prof. Dr. Annunciato abschließend seine Speisekarte für’s Gehirn. Das Spiel mit der brasilianisch-portugiesischen und der deutschen Sprache gehörte dazu ebenso wie Erkenntnisse über den Zusammenhang von (falscher) Ernährung, Zivilisationserkrankungen wie Depressionen, Darm- und Gelenkschmerzen bis hin zu Alzheimer und Krebs. So endete der Samstag wie er begonnen hatte: Lehrreich und unterhaltsam. Die Teilnehmer dankten es mit anhaltendem Applaus. Passend zum Vortrag endete der Abend mit dem alljährlichen Get-Together-Dinner, welches zuvor kulinarisch von Dr. Annunciato in Zusammenarbeit mit Küchenchef Frank Schmidt abgestimmt worden war. Hier wurde eine wichtige vorangegangene Erkenntnis in die Tat umgesetzt: Gesunde Ernährung geht nicht mit Verzicht einher, sondern viel mehr mit Möglichkeiten.

Dr. Nelson Annunciato bei seinem Vortrag auf dem 4. ARTZT Symposium 2018
Das alljährliche Get-Together-Dinner wurde von Dr. Nelson Annunciato mit einem "gesunden" Vortrag über Ernährung eingeleitet.

Sport und Bewegung am Sonntag

Der Sonntag begann auch diesmal wieder sportlich: Sportphysiotherapeut Stephan Müller und Personal Trainer Arnd Storkebaum zeigten vielen interessierten und bewegungsfreudigen Teilnehmern, wie sich elementare Grundbewegungen sinvoll zu komplexen Übungsabfolgen kombinieren lassen. Den ersten Vortrag des Sonntags hielt der leitende Arzt des Symposiums Prof. Dr. med. Dr. phil. Winfried Banzer über Neurokognitive Aspekte nach peripheren Verletzungen. Dabei gab er einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand zu den Zusammenhängen zwischen neurokognitiver Funktion, (neuro-) motorischer Leistung und Sportverletzungen im Bereich der unteren und oberen Extremität.

Im Anschluss beschäftigte sich Dr. phil Jan Wilke mit der Frage, ob Diagnostik und Behandlung neurokognitiver Dysfunktionen im Sport der Schlüssel zum Therapieerfolg ist. Hier überblickte er sowohl gängige Untersuchungsverfahren als auch neue Trainingsansätze, deren Effektivität in aktuellen Studien untersucht wird. Prof. Dr. Jan Mayer präsentierte danach eindrucksvoll Wie das Besondere gelingt und zeigte, wie Sportler das „langsame (Kontroll-) Denken“ in Wettbewerbssituationen z.B. mit Selbstgesprächen zu beschäftigen, um den lange antrainierten Automatismen völlig freie Hand zu lassen. Denn: Wer zu viel über die Bewegung nachdenkt, wird langsam, macht Fehler. Zum Schluss gab sich Dr. Nelson Annunciato erneut die Ehre und stellte die scheinbare einfache Frage: Warum bewegen wir uns aus funktioneller-neuroanatomischer Sicht? So endete am frühen Sonntagnachmittag ein 4. ARTZT Symposium voller Erkenntnisse, Wissen und neuer Eindrücke rund um Kopf und Körper.

Kopf oder Körper?

Auf die Fragestellung des diesjährigen Themas Kopf und Körper – Was bewegt uns? können wir ganz klar antworten: Beides bewegt uns. Eine Angabe zur Dominanz ist jedoch kaum möglich. Kopf und Körper sind eine Einheit mit unendlich erscheinenden Einflussfaktoren. Wir sind gespannt, was die Forschung uns hier in den nächsten Jahren noch bringt. Für Therapie und Training sollten wir aber weiterhin offen sein und mit dem komplexen System Mensch arbeiten, um langfristig Erfolge zu erzielen. In diesem Sinne arbeiten wir an weiteren spannenden Themen für zukünftige Symposien, die einen kleinen Baustein auf diesem Weg bilden.

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